Wie Vergleichsportale Geld verdienen
Ein Vergleichsportal ist ein Makler. Es listet Anbieter, mit denen es einen Vertrag hat, und bekommt für jeden Abschluss, der über das Portal zustande kommt, eine Provision – bei Strom- und Gastarifen, Handyverträgen, Versicherungen und Krediten oft einen festen Betrag je Vertrag, bei Elektronik und Reisen einen Prozentsatz vom Kaufpreis oder einen Betrag je Klick. Diese Provision zahlt der Anbieter, nicht du. Das ist der Grund, warum der Vergleich für dich kostenlos ist.
Aus dem Geschäftsmodell folgen zwei Dinge, die du beim Lesen im Kopf behalten solltest. Erstens: Was nicht gelistet ist, existiert für das Portal nicht. Ein regionaler Stromversorger ohne Partnervertrag oder ein Händler, der keine Provision zahlt, taucht nicht auf, auch wenn er günstiger wäre. Zweitens: Das Portal hat ein Interesse daran, dass du abschließt, und zwar bei einem Anbieter, der Provision zahlt. Ob das die Reihenfolge der Ergebnisse beeinflusst, lässt sich von außen nicht belegen und nicht widerlegen. Die Verbraucherzentralen fordern seit Jahren, dass Rankings unabhängig von Provisionen sein müssen – gerade weil es nicht nachprüfbar ist.
Versteckte Kosten, die der erste Preis nicht zeigt
Der Preis, der in der Ergebnisliste groß steht, ist fast immer ein Rechenergebnis: ein Monatsbetrag, in den das Portal Boni, Rabatte und Sonderkonditionen des ersten Jahres eingerechnet hat. Ein Sofortbonus von 150 Euro und ein Neukundenbonus von weiteren 100 Euro machen aus einem teuren Tarif rechnerisch den günstigsten – für zwölf Monate. Ab dem 13. Monat zahlst du den Grundpreis und den Arbeitspreis ohne Bonus, und wenn du die Kündigungsfrist verpasst, verlängert sich der Vertrag genau zu diesen Konditionen.
Die zweite Falle ist alles, was erst auf der Anbieterseite auftaucht: Versandkosten und Zahlungsartaufschläge beim Händler, Bearbeitungsgebühren beim Kredit, Selbstbeteiligung und Ausschlüsse bei der Versicherung, Anschlussgebühr und Routerpreis beim Internettarif. Dazu kommen Bedingungen wie Bankeinzug, Vorauskasse oder ein Bonus, der nur ohne Kündigung ausgezahlt wird. Schau deshalb immer auf den Preis über die gesamte Laufzeit, nicht auf den Monatsbetrag im ersten Jahr, und lies das Kleingedruckte auf der Seite des Anbieters, bevor du unterschreibst.
Sortierung und Filter: was „Empfehlung“ bedeutet
Die Voreinstellung eines Portals ist eine Entscheidung des Portals. Heißt sie „Empfehlung“, „Beliebtheit“ oder „Relevanz“, ist der Preis nur eines von mehreren Kriterien – dazu können Kundenbewertungen, Verfügbarkeit, die Marge und die Partnerschaft mit dem Anbieter kommen. Erst wenn du ausdrücklich „Preis aufsteigend“ oder „Gesamtpreis“ wählst, siehst du das, was der Name Preisvergleich verspricht.
Genauso wichtig sind die Filter, die schon gesetzt sind, bevor du etwas anklickst. Viele Portale blenden Tarife mit Vorauskasse, Kaution oder Paketpreisen standardmäßig aus, andere zeigen nur Anbieter, bei denen der Abschluss direkt über das Portal möglich ist, und rechnen Boni ein, solange du das Häkchen nicht entfernst. Öffne die erweiterten Einstellungen, setze die Laufzeit, blende Boni aus und schau, ob sich das oberste Angebot ändert – dann war es nur unter den Voreinstellungen das günstigste.
Ein Beispiel, durchgerechnet
Angenommen, du vergleichst Stromtarife für 3.000 Kilowattstunden im Jahr. Tarif A steht ganz oben: 8 Euro Grundpreis im Monat, 32 Cent je Kilowattstunde, 200 Euro Bonus nach dem ersten Jahr, Laufzeit zwölf Monate. Tarif B steht weiter unten: 10 Euro Grundpreis, 29 Cent je Kilowattstunde, kein Bonus, monatlich kündbar.
Im ersten Jahr kostet Tarif A 96 Euro Grundpreis plus 960 Euro Verbrauch, also 1.056 Euro, abzüglich 200 Euro Bonus: 856 Euro. Tarif B kostet 120 Euro Grundpreis plus 870 Euro Verbrauch: 990 Euro. Das Portal zeigt A deshalb mit rund 71 Euro im Monat und B mit rund 83 Euro – A wirkt 134 Euro günstiger. Im zweiten Jahr fällt der Bonus weg: A kostet nun 1.056 Euro, B weiterhin 990 Euro. Über 24 Monate stehen 1.912 Euro für A gegen 1.980 Euro für B – A ist noch 68 Euro vorn, aber nur, wenn du den Bonus wirklich bekommst und nach dem ersten Jahr wechselst. Bleibst du drei Jahre, liegt A bei 2.968 Euro und B bei 2.970 Euro: gleichauf. Wer den Bonus verliert, zahlt mit A von Anfang an mehr. Der günstigste Tarif ist eine Frage der Laufzeit und deiner Disziplin, nicht der Zeile in der Liste.
Checkliste vor dem Klick
Bevor du auf „Jetzt abschließen“ klickst, geh diese Punkte einmal durch. Erstens: Sortiere nach Gesamtpreis und schalte Boni aus – ändert sich die Reihenfolge? Zweitens: Rechne den Preis über die Laufzeit, die du wirklich willst, mit und ohne Bonus. Drittens: Prüfe die Bedingungen des Bonus – wann wird er ausgezahlt, was passiert bei Kündigung? Viertens: Lies auf der Anbieterseite nach, welche Gebühren, Aufschläge und Ausschlüsse das Portal nicht anzeigt. Fünftens: Vergleiche dasselbe Angebot auf einem zweiten Portal und direkt beim Anbieter. Sechstens: Notiere dir die Kündigungsfrist, am besten mit Erinnerung im Kalender, bevor du unterschreibst.
Fünf Minuten für diese sechs Punkte machen aus dem Ergebnis eine Entscheidung, die dir gehört und nicht dem Algorithmus.
Häufige Fragen zum Preisvergleich
Ist das oberste Angebot im Preisvergleich immer das günstigste?
Nein. Die Voreinstellung vieler Portale heißt „Empfehlung“ oder „Beliebtheit“ und mischt den Preis mit anderen Kriterien, manchmal auch mit der Frage, ob der Anbieter Partner des Portals ist. Erst wenn du ausdrücklich nach Gesamtpreis sortierst und die Boni ausblendest, steht oben, was am wenigsten kostet. Und selbst dann fehlt oft ein Anbieter, der gar nicht auf dem Portal gelistet ist.
Warum sollte ich mehrere Vergleichsportale nutzen?
Weil jedes Portal nur die Anbieter zeigt, mit denen es einen Vertrag hat. Zwei Portale haben zwei verschiedene Ausschnitte des Marktes, und die Voreinstellungen unterscheiden sich. Ein zweiter Vergleich kostet ein paar Minuten und deckt auf, ob ein Angebot nur deshalb oben stand, weil das erste Portal den günstigeren Wettbewerber nicht kennt.
Ist der Abschluss über das Portal teurer als direkt beim Anbieter?
Meistens nicht, manchmal doch. Die Provision zahlt der Anbieter, nicht du, und viele Portale sichern sich vertraglich denselben Preis wie die Anbieterseite. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die Website des Anbieters: Dort gibt es gelegentlich eigene Aktionen, andere Laufzeiten oder eine Neukundenprämie, die im Portal nicht auftaucht. Der Vergleich auf dem Portal ist der Anfang, nicht das Ende der Suche.
Diese Seite erklärt allgemein, wie Vergleichsportale funktionieren, und nennt kein Portal und keinen Anbieter. Das Rechenbeispiel verwendet erfundene Tarifwerte und dient nur der Veranschaulichung; tatsächliche Preise, Boni und Bedingungen stehen im jeweiligen Angebot. Die Seite enthält keine Affiliate-Links und erhält keine Provision.